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Freitag, Juni 16, 2006

Werner Tiki Küstenmacher: Die 3-Minuten-Bibel

Ich habe ein Buch für meine Omi gesucht, die im Krankenhaus lag.
Dieses war eine der Empfehlungen meines Lieblingsbuchhändlers.


Werner Tiki Küstenmacher
Die 3-Minuten-Bibel

Knaur TB 2006, 235 Seiten plus Inhaltsverzeichnis
ISBN-13: 978-3-426-77880-7
ISBN-10: 3-426-77880-7
6,00 EUR

Der Autor zitiert aus dem Alten und Neuen Testament und setzt die Zitate in Bezug zu unserem täglichen, modernen Leben, was sehr erfrischend und lebensnah ist, vor allem, wenn man es in Vergleich setzt zu dem, was man auch heute noch in vielen Gemeinden so im Gottesdienst hört…
Wie der Titel schon sagt, sind die Abhandlungen angenehm kurz und prägnant gehalten und zeigen, dass man auch in der heutigen Zeit das Christsein leben kann, ohne hoffnungslos altmodisch daherzukommen.

„Wer Trost braucht, kommt sich bruchstückhaft vor, unvollständig, in einzelne, nicht zueinander passende Teile zerlegt. Was er im Augenblick der Trostlosigkeit so bitter vermisst, ist die Ganzheit.“
Wie wahr.

Der Glaube durchzieht alle Bereiche des Lebens; alles ist verbunden und wird für die Glaubenden auch durch eben diesen Glauben zusammengehalten.
Glücklicherweise interpretiert der Autor die Bibel relativ frei; die Pastoren in meiner Jugend hatten ein ziemlich strenges Weltbild, wo Glauben zwingend damit verbunden war, dass man regelmäßig in die Kirche ging und der gähnend langweiligen und langen Predigt lauschte.
Dass es auch kürzer geht, beweist Herr Küstenmacher mit diesem Buch.

„Heb einen Stein auf und du wirst mich finden. Spalte das Holz und ich bin da. Dem Staunenden gehört das Reich Gottes.“

Mittwoch, Juni 14, 2006

Gelesen: Bambaren und Hilbk

Sergio Bambaren
Der Traum des Leutturmwärters
Ein Ort für deine Sehnsüchte


Serie Piper, TB 116 Seiten, ISBN 3-492-23643-X (7,90 €)

Martin begegnet auf einer Geschäftsreise Paola; beide verlieben sich sofort ineinander. Sie suchen einen Platz, um ein gemeinsames Leben zu gestalten, und finden ihn in der Nähe eines alten Leuchtturmes. Ein Einheimischer rät ihnen, den ehemaligen Leuchtturmwärter kennen zu lernen, der in einem Altersheim wohnt und seit langer Zeit nur in seinem Stuhl sitzt und schweigt, wenn er nicht gerade Leuchttürme malt. Martin und Paola nehmen ihn mit zum Leuchtturm…

Okay, auf dem Einband steht „Eine ergreifend schöne Geschichte…“. Mir ist das ein bisschen zu dick aufgetragen. Weisheiten, Romantizismus und ein bisschen Handlung sind ineinander verknetet zu einem süßlichen Mischmasch. Das enthält zwar wahre Worte, auch gute Formulierungen, die gehen aber leider unter in einem Sermon des Verständnisses für alle Welt, für die innere Wahrheit und Schönheit.
Sehr schade. Der Kern, der Inhalt ist ja gut, aber die Machart gefällt mir nicht. Vielleicht bin ich ja schon zu sarkastisch geworden, auch wenn ich von mir selber denke, ich sei im Herz ein Romantiker.

„Sie wollen mit aller Kraft am Altbekannten festhalten, aber Sie wollen sich auch mit aller Kraft ändern und der Stimme ihres Herzens folgen. Das kann ganz schön hart werden. Aber denken Sie immer daran: Das Schlimmste, was Sie tun können, ist, Ihr Leben zu vergeuden, indem Sie nichts tun und sich nie entscheiden. Das Leben ist voll von solchen schwierigen Entscheidungen. Immer wenn Sie eine Tür öffnen, schließen Sie eine andere. Und doch müssen wir am Ende zu unseren Entscheidungen stehen und danach leben, egal, wie sehr uns das Herz blutet und wie sehr es uns schmerzt.“






Merle Hilbk
Sibirski Punk
Eine Reise in das Herz des wilden Ostens


Kiepenheuer Verlag, 1. Auflage 2006, 255 Seiten geb. mit Schutzumschlag
ISBN 3-378-01081-9

Die Autorin erzählt Geschichten von ihrer Reise nach Sibirien, die sie aus einem eher diffusen Gefühl heraus angeleiert hat. Sie will dem Gefühl auf den Grund gehen, das sie bekommt, wenn ihre russischen Freunde gefühlvolle Balladen singen…
Und so wird das Buch vor allem auch ein Spiegel ihrer Erwartungen und Sehnsüchte, ein Sammelsurium oder Kaleidoskop (wie man will) von Erlebnissen und Gedanken der Autorin auf der Suche nach sich selbst.

Dass diese Stories nur einen Teil des Lebens in Sibirien wiedergeben können, auch wenn Frau Hilbk versucht, möglichst viele, unterschiedliche Menschen vorzustellen, versteht sich von selbst. Sie spannt immerhin einen großen Bogen einer Bandbreite von Heimatvertriebenen bis zur Punkband.

Trotzdem hat mich ihr Buch nicht mehr berührt als z. B. Lois Fisher-Ruges „Alltag in Moskau“; an sich interessant (wenn auch letzteres Buch inzwischen hoffnungslos veraltet ist), aber nicht so sehr, als das man es unbedingt noch einmal lesen müsste.
Das mag einfach daran liegen, dass mich die Gegend nicht wirklich reizt. Vielleicht kann ich auch nur nicht die Art von Unruhe nachempfinden, die die Autorin zu dieser Selbsterfahrungsreise veranlasst hat.

Dienstag, April 25, 2006

Reinald Grebe: Global Fish

Reinald Grebe
Global Fish
Fischer Taschenbuch Verlag 2006, 429 Seiten
ISBN-13: 978-3-596-16916-0
ISBN-10: 3-596-16916-X

Zum Inhalt:
Thomas Blume hat eben das Abitur mit einem Schnitt von 1,0 bestanden. Er überlegt, was er mit den langen Ferien anfangen soll, die jetzt anstehen, bevor der sogenannte „Ernst des Lebens“ beginnt. Europa bereisen mit dem InterRail-Ticket? Ans andere Ende der Welt fahren bis nach Australien? Blume brütet über Stapeln von Urlaubskatalogen, aber nichts überzeugt ihn wirklich. Bis er einen fast unscheinbaren Umschlag findet, der ihn einlädt, Seemann zu werden, auf einem Segelschiff, das von Hamburg in die Neue Welt fährt.
Na, das klingt doch endlich mal interessant!
Blume startet nach Hamburg. Zu Hause kam ihm schon alles so seltsam zweidimensional vor. Aber jetzt, jetzt beginnt das Abenteuer!

Meine Meinung:
Wow. Nein, eigentlich: WOW!!!
Ein Buch, zu dem mir ein wenig die Adjektive fehlen…
Schnell, lebendig, verwirrend, erstaunlich, chaotisch, beängstigend, quirlig. Es bringt Erinnerungen an die Kindheit, an längst vergessen geglaubte Wünsche; es ist teilweise so schnell erzählt, dass man einfach mittendrin ist. Ein Buch wie im Fieberwahn.

Und Jess Jochimsen, der auf dem Einband zitiert wird, hat irgendwo recht mit seiner Aussage „GLOBAL FISH ist Ulysses Reloaded“. Joyces Ulysses fand ich zwar stilistisch interessant, inhaltlich aber langweilig. Das Problem hatte ich bei Grebe an keiner Stelle.

Auch für Landratten, die nicht von der Seefahrerei träumen, eine hochinteressante und kurzweilige Lektüre. LESEN!

Dienstag, Februar 28, 2006

Gelesen

Kobi Oz
Moshe Chuwato und der Rabe

Moshe ist groß, dient derzeit in der israelischen Armee und weiß ansonsten nicht sehr viel mit sich anzufangen. Er sucht nach einem Sinn in seinem Leben…

Tja, wer tut das nicht.
In kurzen Episoden werden ein paar Tage im Leben Moshes geschildert, in denen wenig passiert, abgesehen vielleicht davon, dass Onkel Charly stirbt und nun die ganze Mischpoche Schiw’a sitzt, obwohl keiner so recht Bock darauf hat und sogar Charlys Sohn sich – wie Moshe auch – zwischendurch mal verdrückt um Sachen zu machen, die man während der Trauerzeit eigentlich nicht macht…
Diese Episoden werden von unterschiedlichen Mitwirkenden erzählt: Moshe, seinen Eltern, seiner Freundin und deren Macker, sogar der tote Charly und ein Rabe kommen zu Wort.

Das lässt sich ganz interessant und kurzweilig an, verliert dann aber irgendwie seinen Reiz, weil Moshe ein echter Langweiler ist (er will ja auch den Spaß am Leben nicht wirklich zulassen, der dumme Hund).
Und daran ändert leider auch das etwas skurrile Ende nix mehr.
Schade.
(Gut, dass das nur 2,95 als Mängel-Exemplar gekostet hat…)



Jörg und Corinna Kastner
Die Steinprinzessin

Pierre ist traurig, seine Mutter ist gestorben. Auf der Beerdigung spricht ihn ein älterer Mann an, der seine Mutter von früher zu kennen vorgibt. Ein Verwandter? Sie hatte nie über ihre Familie gesprochen. Pierre wird neugierig und gerät in einen Strudel von Ereignissen, den er sich nicht im Traum vorgestellt hätte: Seine Mutter soll die Prinzessin eines Volkes in einer Welt tief unter der Erde sein. Sie sei nicht tot, sagt der Fremde, sondern gefangen, und nur er könne sie befreien…

Interessant, fantasievoll (wenn auch nicht überbordend) und kurzweilig; ich könnte mir vorstellen, es sogar noch einmal zu lesen.
Pierres Verwirrung angesichts der angeblichen Herkunft seiner Mutter, ihres Überlebens trotz Beerdigung und die Ereignisse in der Steinwelt sind schön herausgearbeitet.
Empfehlenswert für Kinder/Jugendliche ab 10 – 12 Jahren.



Horst Evers
Gefühltes Wissen


Gefühltes Wissen ist Wissen, von dem man eine Ahnung hat - und zwar im wahrsten Sinne des Wortes: Man ahnt, das man etwas darüber weiß, aber bitte nicht nachfragen, sonst kommt es zur Katastrophe. Man möchte eigentlich auch gar nicht mehr darüber wissen…

Gesammelte Glossen zu diversen Themen.
Recht amüsant, locker geschrieben, klingt wie spontan aus dem Lamäng erzählt. So nett sich das teilweise anließ, habe ich nie wieder so laut lachen müssen wie an dem Tag, als Andrea beim Probenwochenende die Geschichte mit der Kaffeemaschine und der Spinne laut vorgelesen hat…

Nun ja. Nette Geschichten, aber überhöhter Preis (12,95 € für nicht mal 150 Seiten ist etwas üppig)!

Dienstag, Februar 21, 2006

Links

Jaja, ich weiß...

Blogs sind häufig Link-Sammlungen; heute habe ich auch mal ein paar dazugestellt, die ich ganz kurz vorstellen möchte.


Woof Nanny kennt Ihr vielleicht schon. Barb ist sehr kreativ und scheint mir auch sonst irgendwie meine Wellenlänge zu sein ;-)


Betablast schreibt eine gebürtige Litauerin; es ist immer wieder goldig, die Erlebnisse mit ihrem Sohn Kaspar mitzuerleben.


Wish Jar Journal gehört Keri Smith. Ihre Bilder sind einfach, ihre Ideen sind gewaltig. Ich mag die Idee der Guerilla-Kunst. Warum nicht irgendwo Dinge hinterlassen, die Andere freuen könnten?
Hat jemand den Glas-Nugget gefunden, den ich auf einer Bank in der Nähe der Hallgrimskirkja in Reykjavik deponiert habe?


Redcurrent: Kath ist aus Australien. Die Frau hat ein Faible für Farben...
Ich liebe den Link zu den
Plüsch-Monstern!!!


Pea Soup steure ich täglich an. Schöne Ideen.


MOMster gehört Irene aus Paris. Sie hat ziemlich zu tun mit ihren Zwillingen, aber sie vergöttert sie...

Montag, Februar 20, 2006

Erholt & erschöpft

Herrje, schon wieder so eine lange Pause…
(Na, Ihr solltet erst mal meine Homepage sehen… eine ewige Baustelle, und seit anderthalb Jahren nix Neues mehr eingestellt. Dabei liegt noch einiges auf der Festplatte; aber ich will das Layout auch schon lange mal ändern… Habe aber in der Zwischenzeit auf anderer Leute Homepages weitaus mehr Zeit verwendet. Es ist mir nicht unbedingt schade um die Zeit, weil ich viel gelernt habe und mich kreativ austoben konnte, nur dass das Feedback der einen Auftraggeber so mickrig war, dass das Projekt leider bis heute nicht offiziell im Netz steht. Punkt.)

In der Zwischenzeit ist aber unser Theaterprojekt (Shakespeares „Was Ihr wollt“) ziemlich vorangeschritten; vorletztes Wochenende waren wir zum Proben ein paar Tage weg. Das war herrlich!
Ich habe von Donnerstag bis Sonntag kaum 10 Stunden geschlafen. Erst war ich zu aufgeregt, dann hat es zu viel Spaß gemacht, mit den Freunden bis nachts um 03:00 oder 05:00 vor dem Kamin zu sitzen und zu klönen oder zu spielen – außerdem hatte ich einen regelrechten Koffeinrausch. Erstaunliche Erfahrung, nicht negativ jedenfalls.
Und so kam ich heim zu meiner Familie, ohne die wirklich vermisst zu haben (und habe auch kein schlechtes Gewissen dabei), angefüllt mit Gefühlen, Gedanken und Bildern. Erholt…

Nachdem der Koffeinpegel am Dienstag trotz Zufuhr nicht aufrecht zu erhalten war, kam die Müdigkeit. Und nachdem meine Familie mich eine Woche lang von beiden Seiten angeschnieft und angehustet hat, hing ich am Wochenende darauf in den Seilen…

Egal. Das war’s wert.
Ich liebe Probenwochenenden!

Dienstag, Januar 31, 2006

Winter

Man sagt, dass die Inuit zahlreiche Worte für Schnee kennen.

Als wir am Sonntag auf der Wasserkuppe in der Rhön waren – bei strahlendem Sonnenschein, -8 °C und oben zum Teil sehr starkem Wind – konnten wir zumindest einige davon nachvollziehen. Wir sind von Poppenhausen hochgelaufen, über leicht verschneites Eis, verharschten Schnee, der nach ein paar Metern trügerischer Sicherheit plötzlich nachgab, um uns knietief einsinken zu lassen (natürlich beidbeinig, so dass man wie ein Depp vom eigenen Schwung beinahe vornüber kippt), Schnee, der knirscht und sich auch sonst verhält wie Sand (darauf rutscht man dann seitwärts), weichen oder auch bretthart überkrusteten Schnee...
Anstrengend zu laufen, aber trotz allem ein wunderbarer Wintertag.


Schneeverwehungen wie Dünen und Schnee, der wie Schlagsahne Zipfel ausgebildet hatte…

Die "40"?

Lange nicht gepostet. Anscheinend hat mich die “40” doch inzwischen erwischt.
Nee, Quatsch. War aber vielleicht ein Anlass, mir mal bewusst zu machen, wo ich stehe, was ich bin. Mit der Bestandsaufnahme bin ich noch lange nicht fertig. Ich fühle aber, dass ich innerlich stabiler bin, weniger abhängig vom Wohlwollen Anderer als früher. Ich möchte einfach nicht mehr so abhängig davon sein, dass Andere mich mögen. Ich möchte nicht mehr das liebe Mädchen sein. Hey, mit 40 wird es langsam Zeit, was?
Ich fühle eine Stärke in mir, die ich vorher nicht wahrgenommen habe. Ich bin froh, dass ich sie endlich entdeckt habe.
Aber im Moment ist jeder Tag anders, jeder Tag fühlt sich anders an. Manchmal frage ich mich, wie viel davon abhängig ist davon, dass ich zu viel Kaffee, aber zu wenig Schlaf hatte, oder von hormonellen Zuständen. Hm.
Egal. Es ist herrlich, das Leben. Und schrecklich. Und interessant. Umarmt es.

„Das Leben sollte keine Reise sein, mit dem Ziel, attraktiv und mit einem gut erhaltenen Körper an unserem Grab anzukommen. Wir sollten lieber seitlich hineinrutschen, Schokolade in einer Hand, Champagner in der anderen, unser Körper total verbraucht und schreien: "Wow, was für eine Fahrt!"
((Wer hat das eigentlich gesagt? Ich denke da immer an Bette Middler oder vielleicht Mae West, bin aber nicht sicher…))